Das erfundene Mittelalter
Die größte Zeitfälschung der Geschichte
von Heribert Illig
Preis: EUR 9,45
Broschiert - 453 Seiten - Econ Tb Vlg., München
ISBN: 3548750559
Schon zum zweiten mal gelesen und trotzdem noch unglaublich spannend. Für alle Fans des Mittelalters - nun gehöre ich leider zu den Bekloppten, die sogar blanke Jahreszahlen spannend finden z.B. das "Mittelalter in Daten" welches demnächst eine huldvolle Besprechung erhält - zunächst sehr verwirrend, dann faszinierend schlüssig und irrsinnig spannend.
Positiv zu bemerken ist die unglaublich heitere Art, mit welcher der Autor Illig mit den etwas verbohrten Fachkollegen und ihren gar unstimmigen Thesen umzugehen pflegt. Wer sich schon im Mittelstufe-Kunstunterricht gefragt hat, ob man außer Aachen jemals noch was spannendes aus der karolingischen Baukunst ausbuddeln wird, der wird spätestens nach dieser Lektüre die fromme Hoffnung abschreiben und sich zähneknirschend eingestehen, daß er die Jahrhundertwende verpennt hat und stattdessen mit Pomp und Getöse eine Milleniumswende gefeiert hat, die frühestens in 250 Jahren fällig wird.
Illig beschreibt sehr detailliert und mit vielen lebendigen, nachvollziehbaren Beispielen, daß etwas faul sein könnte im Reich des großen Karls. Der Auslöser für Illigs Forschung: "zufällig" stolperte er während eines Telefonats über die Korrektur des Julianischen Kalenders, der aufgrund der ungenauen Schaltregel im Jahre 1582 erheblich (nämlich um 12,7 Tage) vom astronomischen Kalender abwich und durch Papst Gregor XIII. korrigiert wurde. Nicht jedoch wie anzunehmen um 13 Tage sondern lediglich um 10 Tage. War Gregor zwar in der Lage, die astronomische Jahreszeit präzise zu bestimmen, sonst aber debil oder senil genug von 12,7 nicht auf 13 auf- sondern gewaltig abzurunden? Warum steht Aachen mit der Pfalzkapelle im 7. Jahrhundert konkurrenzlos und wird erst um 1025 im Speyrer Dom, mehr schlecht (viel schlechter, beinahe dilettantisch) als schön "kopiert"? Wo ist Karl gebohren, wo bestattet? Warum glich die Suche nach seinem Grab einer jahrhundertewährenden Schnitzeljagd und wie kann das Grab des größten Kaisers der dunklen Jahrhunderte immer wieder (dreimal an der Zahl) in Vergessenheit geraten?
Illig entdeckt viele Ungereimtheiten, für die die bisherige Karls-Forschung wenig plausible Erklärungen stellenweise sogar an den Haaren herbeizieht und löst die Rätsel durch seine simple These gänzlich auf: das dunkle Mittelalter hat nie existiert ca. 300 Jahre unserer Geschichte wurden schlicht und ergreifend erfunden!
Diagnose: absolut lesenswert.
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