Runen und Nationalsozialismus

Runen gerieten lange Zeit in Vergessenheit, erlebten eine kurze und eher unrühmliche Renaissance bei den Nationalsozialisten, denen die Wirkung der Runensymbole sicherlich bekannt gewesen sein dürfte. Man mag darüber spekulieren, wie vertraut Hitler und seine Gefolgsmänner mit der Kraft der Runen nun tatsächlich waren, nicht spekulieren lässt sich allerdings über die Bedeutung, die die Nazis den Runen zuschrieben, die mit der ursprünglichen Bedeutung nur noch wenig bis gar nichts gemein hatte.

Die ursprüngliche Zuordnung und Bedeutung der Runen, war in Deutschland durchaus bekannt, wurde jedoch ignoriert. Stattdessen machte sich ein gewisser Guido von List einen Namen, indem er - plötzlich grundlos und nur für kurze Zeit erblindet - ein neues Runenalphabet mit nur mehr 18 Runenzeichen "empfängt" - heute würde man das channeln nennen - und selbiges mit der neuen ("besseren") Bedeutung publik macht. Nur ein paar kuriose Beispiele welche Absurditäten aus Lists "formidablen" neuen Runenalphabet entstanden sind, seien hier genannt.

So entsteht für Sowelu (die Sonnenrune, besser bekannt als SS Rune) die Bedeutung des schöpferischen Geistes, der siegreich sein soll. Die ursprüngliche Assoziation zu Sowelu ist Energie der Sonne, Ganzheit, Lebenskraft, Selbsterkenntnis. Sich öffnen für die Energie der Sonne, aufnehmen, was gegeben wird und wissen, daß die Energie nicht aus einem selbst kommt, sondern daß sie gegeben wird, damit man sie empfange und sich dem göttlichen beuge.

Noch absurder wird die Zuordnung von Isa , die Rune des Stillstandes, des Eises, die Rune, die eine Zeit des Wartens ankündigt, eine Zeit der Kontemplation. List und seine Anhänger machen in dem "überwältigenden" neuen Runenalphabet daraus eine Rune des "Meisterwillens" (was auch immer darunter zu verstehen sei), der alles - auch den Willen eines anderen - einfrieren kann und somit die Unterwerfung unter den "Meisterwillen" zu erzwingen im Stande ist. Hier drängt sich fast schon schmunzelnd der Vergleich zu obergeheimer und mystischer neuerlich erfundener Eismagie auf. Ob der Schöpfer selbiger das so im Sinn hatte, mag allerdings zu Recht bezweifelt werden.

Spätestens bei Algiz, das für einen Elch steht, für Schutz aber auch für Binsengras (Algiz sieht aus wie ein Baum - ) wird die neue Bedeutung fast schon lustig, wenn es nicht insgesamt ein so düsteres Kapitel so plastisch beschreiben würde. Algiz wird kurzerhand auf den Kopf gedreht, somit als Wurzel zu deuten und beschreibt - Achtung! - den Wurzeldämon Weib, der nichts menschliches an sich hat und den man zwingen muß, endlich ein Mensch zu werden.

Anbetracht dieser kleinen Exkursion in die nationalsozialistische "Erkenntnis" über die Mysterien der Runen, kann man dieses kurze, unrühmliche Kapitel getrost außer Acht lassen, wenn man sich der tatsächlichen Kraft der Runen zuwenden möchte. Es sollte außer Zweifel stehen, daß die meisten Nazis davon wenig bis überhaupt keine Ahnung hatten und sich lediglich auf recht unqualifizierte und ziemlich dilettantische Weise versucht haben, der Macht von Symbolen zu bedienen, die sie weder zu verstehen noch zu nutzen im Stande waren. Zum Glück möchte man dazu sagen.

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