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I-Ging das Buch der WandlungenDie Synergie zwischen Ost und WestDas traditionelle chinesische Wissen war im letzten Jahrhundert in den westlichen Kulturen nahezu gänzlich unbekannt. Heute, in Zeiten von Designer Wohnungen, die unter Berücksichtigung von Feng-Shui eingerichtet und gestaltet wurden, wo sich Chi Gong, Tai Chi Chuan und sogar Zen Bogenschießen zu "Massenveranstaltungen" entwickeln, kaum mehr vorstellbar. Einen nicht unbeträchtlichen Teil zur Verbreitung des traditionellen Wissens hat der Psychologe C.G.Jung, der das I-Ging bereits Anfang des letzten Jahrhunderts ausgiebig studierte, geleistet. Auch Freud war von der östlichen Philosophie sehr angetan, doch beide, Jung und Freud hatten in der letzten Konsequenz eine fürchterliche Angst, vor dem, was sie dort im Osten tatsächlich erwartete. Das ist wenig verwunderlich, denn beide waren noch zu sehr in rationalen Strukturen verhaftet, um die Irrationalität des Seins tatsächlich für sich annehmen zu können. Die Beschäftigung mit dem asiatischen Gedankengut war eine Art Modeerscheinung in den 20ern. Es war chic, man erahnte wohl auch, daß sich viel Wahrheit darin verbarg, aber das Verständnis blieb oberflächlich, wurde nicht tiefergehend, wie das Modeerscheinungen im allgemeinen so an sich haben. Weitreichendere Studien der östlichen Kultur und Philosophie wurden von magischen Orden wie dem Golden Dawn oder z.B. dem Magier Franz Bardon bereits in den Anfängen des letzten Jahrhunderts angestellt (um nur zwei Beispiele zu nennen). Ein wirkliches Verständnis für das Wissen des Ostens entstand allerdings erst während der "Revolution" in den wilden 60ern und wurde somit auch einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich. So ist es kaum verwunderlich, daß gerade das I-Ging sich in den 70ern zu einem wahren Renner entwickelt hat. Immer mehr Menschen fühlten sich verloren in der hochtechnisierten Gesellschaft der westlichen Kulturen und flüchteten sich in die beschaulichen Ashrams Indiens, fühlten sich angezogen von der mystischen Ruhe tibetischer Klöster, fanden im Zen Stille oder wendeten sich dem Buddhismus zu. Walter E. Butler, einer der großen Magier des letzten Jahrhunderts, warnte seine Schüler noch in den 60ern davor, sich mit Traditionen zu befassen, die ihren Wurzeln nicht entsprächen. Also im Klartext: Schuster bleib bei deinen Leisten und verwende für die Meditation, das was deinem Kulturkreis entspricht. Butler konnte nicht voraussehen, daß Meditation zu einer Art Volkssport werden würde, denn zu seiner Zeit beschäftigten sich lediglich magische Orden, Logen und andere Geheimlehren mit der Praxis der Meditation. Mit der Zuwendung einer breiten Gesellschaftsschicht zum östlichen Gedankengut, hielt auch die Meditation Einzug in den westlichen Alltag. Daß uns heute Kundalini-Energie und Zenmeditation besser geläufig sind, als die traditionellen im westlichen Kulturkreis verwurzelten Meditationstechniken, liegt wohl hauptsächlich an dem Trend, der in den 60ern begonnen wurde und der bis heute anhält. Zen Workshops sind definitiv einfacher ausfindig zu machen und zu besuchen, als Mitglied in einer magischen Vereinigung zu werden, so man denn eine findet, die die Praxis der Meditation überhaupt lehrt. Daß man als westlich geprägter Mensch seine Schwierigkeiten mit der östlichen Philosophie haben dürfte, steht außer Zweifel. Nichts desto weniger sehe ich das allerdings nicht als Hinderungsgrund an, im Gegenteil. Ich persönlich habe für mich eine sehr schöne Entsprechung gefunden. Zum Leidwesen meines Erdkundelehrers war ich nie in der Lage Osten und Westen zu sagen. Bei mir war die Welt aufgeteilt in rechts und links. Also da rechts, war da im Osten. "Zufällig" kann man die beiden Lebens-Philosophien ganz wunderbar den beiden menschlichen Gehirnhälften zuordnen. Westlich also links ist rational und technisch, östlich also rechts, emphatisch und irrational. So wie sich die Synergie zwischen östlicher und westlicher Philosophie heute darstellt, bietet sie eine wundervolle Möglichkeit, die beiden Hälften zu vereinen und zwar für jeden Menschen innerhalb seines eigenen Mikrokosmos, wie auch für die Menschheit insgesamt also global gesehen. Allein durch die Bereitwilligkeit, den Osten zu begreifen, wurde die Brücke zwischen den beiden Hälften geschlagen. Selbst wenn man letztendlich zu dem Schluß kommt, daß man den Osten nicht begreifen kann, verbreitert dies die Brücke und verstärkt die Verbindung. Und das würde ich aus persönlicher Erfahrung definitiv auf die Funktion des menschlichen Gehirns übertragen und auf die Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften, die, je besser sie funktioniert, einen Menschen vollständig werden läßt. Um nichts anderes geht es im I-Ging, um die Verbindung zweier Gegensätze, um Vollständigkeit, um das Prinzip der Dualität, Yin und Yang. Yin und Yang, Sein und Nicht-Sein Yin und Yang können nur wenn sie ausgewogen sind in Harmonie miteinander stehen. Wenn weiß zu weiß wird, kippt es ins schwarz, wenn männlich zu männlich wird, kippt es nach weiblich. Yin kann nicht ohne Yang sein, es sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Yin und Yang bedingen sich gegenseitig. Nur durch das Vorhandensein von Leere, kann man Fülle erkennen. Ein Gefäß z.B. wird erst durch seine Leere (den Innenraum) brauchbar, ein geschlossener Raum wird erst durch eine Tür (Abwesenheit von dem, was den Raum ausmacht, also der Wand) benutzbar. So wird Sein erst durch die Abwesenheit seiner selbst (also durch Nicht-Sein) zu dem was es ist. |
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